oe24.TV-Interview

Strolz: Brandmauer gegen FPÖ "ist Bullshit"

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NEOS-Gründer Matthias Strolz spricht sich im oe24.TV-Interview für eine Zusammenarbeit mit der FPÖ aus.
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Ex-NEOS-Chef Matthias Strolz im Interview | FELLNER! LIVE


© oe24


Wien. Als NEOS-Chef sorgte Parteigründer Matthias Strolz immer wieder für Aufsehen. 2018 trat er dann überraschend zurück und übergab an Beate Meinl-Reisinger, die bis heute die Partei führt. Wie zufrieden er mit der pinken Regierungs-Performance ist, um was es in seinem neuen Buch "Homo Universus" geht und warum er eine Zusammenarbeit mit der FPÖ nicht ausschließen würde.

oe24: Wie lange haben Sie denn an dem neuen Buch "Homo Universus" geschrieben?

Matthias Strolz: Ich war vier Jahre schwanger. Meine Frau sagt immer, hör auf mit dem Vokabel, schwanger sind wir Frauen, nicht ihr. Aber es fühlt sich so an. Du trägst es im Kopf, in deinem Herzen. Also insgesamt vier Jahre, aber mit einem starken letzten Halbjahr.

oe24: Jetzt ist der Titel ja programmatisch, vom Homo sapiens zum Homo Universus, warum dieser Titel?

Strolz: Ich habe einen Titel gesucht, der es einfach beschreibt. Das ist ein ordentlicher Schmöker mit 400 Seiten, das stimmt. Also mein umfangreichstes Buch, das ich geschrieben habe bisher. Es geht um ein Ganzwerden als Mensch. Und Homo Universus übersetzt heißt, der in die Ganzheit gewendete Mensch. Warum wähle ich diesen Titel? Weil ich das Gefühl habe, wir sind nicht ganz. Wir merken ja alle, dass es reibt und zwickt, dass irgendwas nicht ganz rund läuft.

Zwei Männer im Anzug sitzen in einem Fernsehstudio mit dem Schriftzug „Fellner! Live“.
Strolz im Interview mit oe24-Chef Niki Fellner. © oe24.TV

oe24: Sie schreiben im Buch von einer zweiten Aufklärung. Was meinen Sie damit?

Strolz: Da muss man ein bisschen ausholen. Erste Aufklärung, das war also beginnend vor 350 Jahren. Der Westen, also René Descartes sagt: cogito, ergo sum. Ich denke, also bin ich. Wir haben uns mit der Kraft der eigenen Vernunft aus der Gefangenschaft der Selbstverschuldung befreit. Und trotzdem habe ich ab und zu das Gefühl, wir sind in eine Sackgasse hineingelaufen. Das heißt, wir haben uns von gewissen Dingen abgespalten. Nämlich, wir begreifen uns nicht mehr als Teil der Natur. Zweitens: Jetzt kommt die Maschine, die Denkende, die KI. Und die ist im linearen Denken schneller als wir. Und da ist die Frage, warum braucht es uns noch, wenn die Maschine uns in jener Disziplin überholt, über die wir uns seit 350 Jahren definieren. Und dann kommt plötzlich das Herz wieder herein.

“Es wird ein großer Unfall passieren”

Strolz über Künstliche Intelligenz

oe24: Sie haben der KI ein eigenes Kapitel im Buch gewidmet. Blicken Sie pessimistisch oder optimistisch auf Künstliche Intelligenz?

Strolz: Sie ist jedenfalls aus der Flasche. Und damit ist sie da. Und wir bekommen sie nicht mehr zurück. Ich sehe sie als beides. Also natürlich wird sie uns große Segnungen bringen. Sie hilft uns jetzt schon in vielem, ganz vielen Berufen. Die KI ist derzeit in ihrer affenzahnschnellen Entwicklung in den Händen von einigen macht- und geldgeilen Tech-Bros. Und wir steuern eigentlich auf einen Hiroshima-Moment zu. Warum? Es ist vergleichbar in ihrem Potenzial, im Guten wie im Schlechten, mit der Atomkraft. Und wir waren außerstande, uns Regeln zu geben für die Nuklearenergie und für die Atombombe. Es wird ein großer Unfall passieren.

oe24: Ist Homo Universus eigentlich ein politisches Buch? Ein Manifest, wenn man so will.

Strolz: Ich kann ja nicht anders. Wenn Sie ein Vollblutjournalist sind, sind Sie ein Journalist. Und wenn Sie Autoliebhaberin sind, sehen Sie überall Autos. Ich sehe überall Politik. Ja, es ist ein politisches Buch. Es ist kein parteipolitisches Buch, es ist kein innenpolitisches Buch.

oe24: Bleiben wir vielleicht bei der Politik. Sie haben die NEOS mitgegründet, dann nach einigen Jahren die Politik verlassen. Wie sehen Sie denn die heutigen NEOS?

Strolz: Jetzt bin ich fast acht Jahre draußen. Das ist schon lange Zeit. Und es ist auch eine andere Zeit, als es damals gewesen ist. Und insofern habe ich großen Respekt davor, was gelungen ist mit diesem Regierungseintritt. Und es ist nicht einfach. Ich glaube, das sehen wir alle.

oe24: Es gab das Gerücht, Sie hätten der Regierung angehören wollen. Sie haben es selber auf Social Media sogar geschrieben. Sind Sie enttäuscht, dass Sie nicht Bildungsminister geworden sind?

Strolz: Nein, enttäuscht war ich nicht. Es war ein paar Tage nicht klar, ob der Christoph Wiederkehr zur Verfügung steht. Irgendwann hat sich herauskristallisiert, er steht doch zur Verfügung. Und dazwischen waren ein paar Tage Unklarheiten. Das war jetzt keine schöne Phase für alle Beteiligten.

oe24: Aber Sie hätten es gern gemacht?

Strolz: Ich wäre bereit gewesen, hätte auch von der Familie grünes Licht gehabt. Weil der Grund, dass ich raus bin vor acht Jahren, waren die Kinder. Und jetzt sind zwei von drei erwachsen.

oe24: Wie beurteilen Sie die NEOS-Regierungsbeteiligung? Können sich die Pinken genug durchsetzen gegen ÖVP und SPÖ?

Strolz: Diese Frage wird sich beantworten in den Jahren, die da kommen. Ich glaube, das ist noch zu früh. Und ich hoffe, dass diese Regierung auch noch den einen oder anderen Kraftanfall kriegt. Da sind große Themen da.

oe24: Herbert Kickl liegt mit der FPÖ in Umfragen bei fast 40 Prozent. Da läuft ja irgendwas schief in der Regierung, oder?

Strolz: Man muss daraus seine Schlüsse ziehen. Und wenn man dann Angst hat vor manchen Reformprojekten, könnte man sich ja auch sagen, es ist ja eh schon egal. Also der Zuspruch schwindet von Tag zu Tag. Dann gehen wir doch mutig hinein und machen Reformprojekte. Dann wird es auch Kritiker geben. Österreich hatte eine Tradition des kraftvollen Anpackens miteinander. Und das würde ich Österreich wieder wünschen. Und da bin ich auch sehr dafür, dass wir in eine andere Logik kommen mit der FPÖ. Diese Idee, da eine Brandmauer einzuziehen oder so, und da drüben sind die Schmutzfinken, da sind die Guten. Das ist Bullshit. Das halte ich für Blödsinn.

oe24: Also, man sollte auch mit der FPÖ zusammenarbeiten?

Strolz: Natürlich.

oe24: Können Sie sich ein politisches Comeback vorstellen?

Strolz: Das ist im Moment kein Thema.

oe24: Im Moment?

Strolz: Wenn du ein Politschädel bist, kannst du es nie ausschließen. Was ich ausschließen kann, ist, dass ich noch einmal ein Parteigründer bin oder zurück in die Parteipolitik gehe.

oe24: Ganz zum Schluss noch: Man hört, der Kontakt zu NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger soll nicht mehr so intakt sein. Stimmt das?

Strolz: Jeder geht seinen Weg. Ich wünsche dem anderen alles Gute auch.

Buchcover "Homo Universus" von Matthias Strolz mit DNA-Helix auf weißem Hintergrund.
Buch-Cover von Homo Universus (400 Seiten, 28 Euro) © Edition Platin

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