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Integration: Broschüre soll jetzt Mädchen stärken
Die vom Integrationsfonds (ÖIF) herausgegebene Handlungsempfehlung richtet sich vor allem an Schulen und Pädagogik. Integrationsministerin Claudia Bauer (ÖVP) sagte bei der Vorstellung in einer Mittelschule in Wien-Favoriten, Mädchen würden eine Umgebung brauchen, in der sie ohne Zwang und selbstbestimmt sie selbst sein könnten - "Dieser geschützte Ort ist für viele Mädchen die Schule."
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Jedes der rund 800.000 Mädchen in Österreich habe "das Recht, frei und selbstbestimmt aufzuwachsen", so Bauer bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem ÖIF mit dem Titel "Mädchen stärken". "Jedes Mächen soll selbst bestimmen, was es einmal werden will, ob und wen es heiraten will" und müsse das Recht haben, "ohne Gewalt und Zwang aufwachsen zu können". "Von dieser Vorstellung sind wir in manchen Kreisen, in manchen Communitys weit entfernt", so die Ressortchefin. Mädchen hätten mit körperlicher und psychischer Gewalt zu rechnen, "wenn sie nicht folgen" und würden teils sogar mit dem Tod bedroht - "oder sogar im schlimmsten Fall im Namen der Ehre umgebracht".
Nur mit Stärkung der Mädchen und Empowerment-Projekten könne es gelingen, diese aus diesen Strukturen herauszuholen. Die Mädchen müssten erst einmal das Wissen erlangen, "dass Familien nicht das Recht haben, ihnen eine Rolle aufzuerlegen, und dass Religion nicht über dem Recht steht", so Bauer. "Wenn es die eigene Familie ist, die Zwang ausübt, brauchen sie einen Anker außerhalb dieser Communitys". Dieser könne die Schule sein - etwa die Schulärztin, Klassenkolleginnen und -kollegen, Menschen außerhalb des persönlichen Umfeldes.
Konkrete Handlungsempfehlungen
Mit dem Praxishandbuch biete man konkrete Übungen, Gesprächshilfen und Workshop-Ideen, sagte die Ministerin. Verteilt werde die Broschüre an Schulen sowie an Psychotherapiepraxen, außerdem wird es online als Download erhältlich sein.
Auch die Leiterin des ÖIF-Frauenzentrums, Sonia Koul, sagte, es gehe bei dieser Thematik um familiäre Themen wie Druck oder auch Zwangsheirat. "Viele wissen nicht, welche Rechte und Möglichkeiten sie in Österreich haben. Selbstbestimmung beginnt damit, die eigenen Möglichkeiten zu kennen." Hier setze die Arbeit des ÖIF an: Im Vorjahr habe man mehr als 5.000 Beratungen abgewickelt, "bei jeder dritten handelte es sich um Gewaltschutz und Selbstbestimmung", etwa um familiäre Kontrolle, Gewalt, "oder dass jemand anderes bestimmen will, wie sie leben sollen". Auch verwies Koul darauf, dass die Integrationsmaßnahmen - etwa in den Werte- und Orientierungskursen - eine wichtige Rolle spielen würden. Auch Integrationsexpertin Emina Šarić betonte, es sei "entscheidend", jungen Menschen frühzeitig "Wissen, Schutz und konkrete Auswege" anzubieten.
Schuldirektor Mario Bugl-Havlis sagte dazu, in seiner Schule würden 83 Prozent der Kinder mit nicht deutscher Muttersprache unterrichtet. Es würden hier "viele Wertvorstellungen, Ideen und Kulturen zusammenkommen". Schule sei in diesem Sinne "mehr als Unterricht". Das Wichtigste sei, "dass wir den Kindern sagen, dass sie eine Perspektive nach der Schule haben, gerade den Mädchen eine Perspektive zu geben, weil wir oft erleben, dass Mächen mit Migrationshintergrund nicht die Freiheiten genießen dürfen, die die Burschen genießen dürfen". Schule könne nicht alle Probleme lösen, aber: "Schule ist oft der Ort, wo ein Problem als erstes gesehen wird", sagte er.
Kopftuchpflicht: Bauer rechnet mit keinen Problemen
Gefragt nach dem ab Anfang September geltenden Kopftuchverbot für Schülerinnen unter 14 Jahren sagte Bauer, man sei "gut vorbereitet". Die Lehrkräfte hätten auch bei diesem Thema eine "ganz besondere Vertrauensfunktion". Sollten minderjährige Mädchen weiterhin das Kopftuch tragen, so komme es zunächst zu einem Erstgespräch mit der Schulleitung, auch die Eltern werden verständigt. Bei wiederholten Fällen wird die Bildungsdirektion eingeschaltet und gegebenenfalls auch die Kinder- und Jugendhilfe. Auch Verwaltungsstrafen bis zu 800 Euro stehen im Raum - diese aber für die Eltern, nicht die Schülerinnen, betonte die Ministerin. "Die Mädchen werden nicht bestraft, die Verantwortung tragen die Eltern."
Auch Direktor Bugl-Havlis sieht das Verbot positiv: Er sei froh, dass die Ministerin das Problem erkannt hätte. "Ich gehe davon aus, dass sich der überwiegende Teil im Gespräch mit den Eltern lösen lässt."
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