Wegen Klima-Deal
FPÖ ruft ÖVP zum Kanzler-Putsch gegen Stocker auf
Hier die Story im Oe24 E-Paper lesen
Ein Fahrplan dafür soll bis Ende 2027 erarbeitet werden, berichtete Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) am Freitagnachmittag auf einer Pressekonferenz. Das Vorhaben sei kombiniert mit der Dürrehilfe für die Landwirtschaft in Höhe von 240 Millionen Euro, die von Klima- und Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) ebenso vorgestellt wurde.
Auch interessant
Seit dem 1. Jänner 2021 hat Österreich kein gültiges Klimagesetz mehr. Bis Ende nächsten Jahres werde nun ein Klimafahrplan vorgelegt, in dem festgeschrieben wird, wie die Klimaziele erreicht werden sollen, erläuterte Marterbauer.
Klimaneutralität bis 2040
Mit dem Ziel der Klimaneutralität erwarte er sich auch wirtschaftliche Effekte einer Vorreiterrolle, die Österreich damit in der EU innehabe. "Ziel ist es, durch Maßnahmen die Klimaziele zu erreichen" und so Strafzahlungen zu vermeiden, führte Marterbauer aus. Rechtlich verbindlich in der EU ist die von Österreich geplante Klimaneutralität bis 2040 jedoch nicht, wie die ÖVP nach der Pressekonferenz in einer Aussendung betonte, die europäischen Klimaziele sehen bis dahin eine Reduktion der Emissionen um 90 Prozent vor.
"Wichtig dazu zu sagen ist, dass der Klimafahrplan ohne Sanktionen ist", betonte Totschnig am Abend in der "Zib 2" . Es handle sich um ein klares Bekenntnis der Bundesregierung, so der Klimaminister. Durch eine Standortklausel könne der Fahrplan aber im Falle volkswirtschaftlicher Verwerfungen korrigiert werden.
Kritik aus der Wirtschaft
Die ÖVP-Rebellen führt WKO-Generalsekretär Jochen Danninger an. Danninger sagte: "Wenn wir auch in Zukunft Industrie, Wertschöpfung und hochwertige Arbeitsplätze in Österreich haben wollen, müssen für unsere Unternehmen dieselben Rahmenbedingungen gelten wie für ihre europäischen Mitbewerber. Nationale Alleingänge führen in eine wirtschaftliche und klimapolitische Sackgasse."
Nationaler Alleingang
Auch der Wirtschaftsbund ist wenig begeistert: "Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit müssen gemeinsam gedacht werden. 90 Prozent weniger Emissionen bis 2040 sind bereits ein ambitioniertes Ziel. Für die letzten zehn Prozent müssen wir uns - wie Europa - bis 2050 Zeit geben", sagte Wirtschaftsbund-Generalsekretärin Tanja Graf. Österreich würde mit nationalen Alleingängen den Betrieben zusätzliche Kosten und Wettbewerbsnachteile aufbürden, die bereits jetzt Milliarden in die Transformation investieren würden.
Industrie tobt
Weiter kommt von Seiten der Industriellenvereinigung (IV) Gegenwind für die Regierung. Österreichs Alleingang mit dem vorliegenden Kompromiss wäre ein Schuss ins Knie, hieß es vonseiten der Industriellenvereinigung (IV). Er schade dem eigenen Standort in einer ohnehin schwierigen wirtschaftlichen Lage mehr, als er dem Klima nutze. Eine zahnlose Standortklausel und ein unwirksamer Rechtsschutz-Ausschluss seien kein gemeinsames Denken von Klimaschutz und Standort, sondern eine einseitige Vorleistung zulasten der Betriebe. Die IV fordert die Verhandler auf, das Gesetz vor Beschlussfassung entsprechend nachzubessern.
Der Putsch-Aufruf
Den Aufstand in der ÖVP gegen den Klima-Deal der Regierung will die FPÖ nutzen und Teile der Volkspartei zum Kanzlerputsch anstacheln. Die ÖVPler sollen ihren eigenen Kanzler "stoppen", so der blaue Tenor. Kickls rechte Hand, der freiheitliche Generalsekretär Michael Schnedlitz, adressiert an die Kanzlerpartei:
“Wer innerhalb der ÖVP das Klimagesetz oder die Konstruktion der Fake-Dürrehilfe für falsch hält, muss das offen sagen, politisch Konsequenzen daraus ziehen und den eigenen Kanzler stoppen. Wer das nicht tut, wird auf allen Ebenen die Konsequenzen gemeinsam mit dieser Regierung und ihrem ÖVP-Kanzler zu tragen haben. Das gilt für die Bünde und Landespolitiker bis hin zu den ÖVP-Bürgermeistern. Sie können ihre Zugehörigkeit zu dieser Partei und den enormen Schaden, den sie mit ihrer Truppe anrichten, nicht länger verleugnen.”
Michael Schnedlitz
Vor allem auf den schwarzen Bauern- wie Wirtschaftsbund haben es die Blauen abgesehen. Sie sollen de facto gegen den Kanzler und seinen Klima-Deal putschen - so zumindest der Wunsch der rechten Opposition.
OE24 TV Live-Stream
OE24 TV Live-Stream
Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden