Frauen verdienen in Österreich nach wie vor deutlich weniger als Männer. Selbst bei ganzjähriger Vollzeitbeschäftigung liegt ihr durchschnittliches Bruttojahreseinkommen um 15,5 Prozent niedriger. Darauf macht der Equal Pay Day aufmerksam, der heuer auf den 5. November fällt. Wiens Vizebürgermeisterin Barbara Novak (SPÖ) fordert nun Konsequenzen von der Bundesregierung.
Wien hat geringste Einkommenslücke
In Wien fällt der Equal Pay Day erst auf den 23. November. Mit 10,6 Prozent weist die Stadt den geringsten Einkommensunterschied zwischen Frauen und Männern aller Bundesländer auf. Zufrieden ist die Wiener Wirtschafts- und Arbeitsstadträtin damit allerdings nicht. "Trotzdem sind auch 10,6 Prozent zu viel", betont Novak. Die Unterschiede bei den Einkommen würden die finanzielle Unabhängigkeit von Frauen beeinträchtigen und zugleich der Wirtschaft schaden. Weniger Einkommen bedeute schließlich auch weniger Kaufkraft und geringere Einnahmen für die öffentlichen Haushalte.
Um die beruflichen Chancen von Frauen zu verbessern, setzt die Stadt unter anderem auf die Frauenarbeitsstiftung des Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds (waff). Dazu kommen Ausbildungsangebote in den Bereichen Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Technik sowie das Gründerinnenservice der Wirtschaftsagentur Wien.
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Frist für EU-Richtlinie bereits abgelaufen
Bei den bundesweiten Maßnahmen sieht Novak hingegen dringenden Handlungsbedarf. Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie soll für mehr Transparenz bei der Bezahlung sorgen und die Rechte der Beschäftigten stärken. Österreich hätte sie bereits bis zum 7. Juni umsetzen müssen. Ein entsprechender Entwurf des Sozialministeriums liegt zwar vor, innerhalb der Bundesregierung konnte bislang aber keine Einigung erzielt werden. Dabei ist die Umsetzung ausdrücklich im gemeinsamen Regierungsprogramm von SPÖ, ÖVP und NEOS vereinbart.
Novak nimmt ÖVP und NEOS in die Pflicht
Die Vizebürgermeisterin fordert deshalb insbesondere die beiden Koalitionspartner auf, ihre Zusagen einzuhalten. "Ich erwarte daher von NEOS und ÖVP, dass sie zu dieser Vereinbarung stehen", stellt Novak klar. Bei der Umsetzung brauche es eine Lösung, die den Beschäftigten wirksame Rechte einräumt und zugleich für die Unternehmen praktikabel ist. Für Novak geht es dabei um weit mehr als die Einkommen einzelner Arbeitnehmerinnen. Die bestehende Lohnlücke belaste auch die wirtschaftliche Entwicklung und langfristig die Finanzierung des Sozialstaates. "Unser Ziel ist Equal Pay statt Equal Pay Day", so die Vizebürgermeisterin.
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