Mercedes-Aufreger
Wolff: "Das war nicht notwendig ..."
Eine Szene fünf Runden vor Ende des Grand-Prix-Spektakels in Monza ließ die Fans auf den Tribünen und Millionen vor den TV-Schirmen den Atem stocken: Beim Versuch, sich an seinem Mercedes-Teamkollegen George Russell vorbeizuquetschen, landet Antonelli im Kiesbett. Der WM-Leader kann aber weiterfahren und dank geglücktem Überholmanöver eine Runde später den Italien-GP gewinnen - von Startplatz 19 aus. Das war die zweitgrößte Aufholjagd der F1-Geschichte, die größte seit John Watson 1983, der damals vom letzten Startplatz aus den GP in Watkins Glen gewonnen hatte.
Szenenen, die sich Mercedes-Boss Toto Wolff ("Das war mit Sicherheit nicht notwendig") in Zukunft gerne ersparen würde: "Ich muss überlegen, wie wir das vielleicht besser managen können. Ich weiß noch nicht genau, wie wir daraus lernen, aber das müssen wir." Immerhin gewann Wolff dem Infight seiner Piloten auch was Gutes ab: "Sie haben gezeigt, dass sie hart miteinander fahren können, ohne sich abzuschießen."
Gazzetta: "Italien hat einen neuen Champion"
In der Heimat von Kimi Antonelli überschlagen sich die Medien mit Superlativen um Antonelli. "Gazzetta dello Sport" nannte den F1-Shootingstar bereits in einem Atemzug mit italienischen Sportikonen: "Italien hat einen neuen Champion im Stile von Alberto Tomba, im Stile von Valentino Rossi."
Auf dem Weg zu seinem 7. GP-Sieg in Monza hatte Antonelli nicht weniger als 26 Überholmanöver absolviert und danach gemeint: "Das war vielleicht das beste Rennen, das ich je gefahren bin und mit Sicherheit eines, an das ich mich immer erinnern werde."
Bei 66 Punkten Vorsprung auf Mercedes-Teamkollege George Russell ist der seit knapp zwei Wochen 20-jährige Italiener drauf und dran, der jüngste Weltmeister der F1-Geschichte zu werden.
Dabei hatte sich die Mercedes-Zuversicht vor dem Italien-Klassiker in Monza in Grenzen gehalten. Vor und nach der Sommerpause hatte McLaren-Weltmeister Lando Norris in Ungarn und Zandvoort gewonnen und sich kurz Hoffnungen gemacht, ins Titelrennen zurückkehren zu können.
Antonellis erster Auftritt in Monza endete an der Wand
Die Antwort gab Antonelli, der sich bei seinem Heimrennen keine Nerven zeigte. "Er ist wieder einmal über allen anderen gestanden, was den Speed betrifft", lobte Wolff, der dabei an Antonellis ersten Monza-Auftritt im Training vor zwei Jahren, der an der Wand geendet hatte, erinnerte: "Das war vielleicht der schwierigste Moment in seiner Karriere für ihn und seine Familie. Ein Moment, wo jeder Zweifel hatte, auch er selbst." Trotzdem bekam Antonelli 2025 das Mercedes-Cockpit, das durch den Wechsel von Lewis Hamilton zu Ferrari frei geworden war.
Jetzt schrieb Antonelli in Monza Geschichte. Wolff: "Auch wenn er noch 200 Mal gewinnt, dieser Sieg bleibt speziell." Die Tifosi haben einen neuen Sporthelden. Wolff: "Kimi ist ein Riesenphänomen in Italien, das wird jetzt noch größer werden." Ohne dabei abzuheben. Wolff: "Weil er eine tolle Familie hat. Die schützt ihn davor." Vater Marco und Mutter Veronica wichen zuletzt nur selten von der Seite des Juniors. Sollte es notwendig sein, würde auch er selbst mithelfen, "ihn ein bisschen runterdrücken."
Russell hat WM bereits abgeschrieben
Russell, vor zu Saisonbeginn als Titelanwärter Nummer 1 gehandelt, hat die WM bereits abgehakt. "Kimi hat es unter Kontrolle, und er hat es verdient unter Kontrolle", so der Sieger vom Auftakt-GP in Melbourne. "Diesen Rückstand aufzuholen, wird eine außergewöhnliche Herausforderung, also nehme ich es so, wie es ist."
So hofft der Brite darauf, zumindest noch den einen oder anderen GP-Sieg einzufahren. Die nächste dazu hat er beits nächsten Sonntag (15 Uhr, ORF1) bei der Premiere auf dem neuen Stadtkurs in Madrid.
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