Wenn es draußen kalt und grau wird, verändert sich bei vielen auch das Essverhalten. Im Sommer schmeckt der leichte Salat, im Herbst darf es plötzlich eine große Portion Pasta sein. Dazu kommen Heißhunger auf Süßes und der Wunsch, sich mit einer warmen Mahlzeit etwas Gutes zu tun. Doch warum haben wir in der kalten Jahreszeit gefühlt ständig Hunger?
Tatsächlich können mehrere Faktoren eine Rolle spielen. Studien zeigen, dass sich die Energieaufnahme im Laufe der Jahreszeiten verändern kann. Allerdings reagiert nicht jeder Mensch gleich auf sinkende Temperaturen.
1. Dein Körper muss sich warm halten
Wenn es kalt wird, muss dein Körper seine Kerntemperatur von ungefähr 37 Grad aufrechterhalten. Dafür kann er zusätzliche Energie benötigen. Bei Kälte verengen sich unter anderem die Blutgefäße in der Haut, um Wärmeverluste zu reduzieren. Bei stärkerer Kälte kann der Körper außerdem durch Muskelzittern Wärme erzeugen.
Der Gedanke liegt also nahe, dass du bei niedrigen Temperaturen automatisch mehr Hunger bekommst. Ganz so einfach ist es allerdings nicht: Wie viel zusätzliche Energie dein Körper benötigt, hängt unter anderem davon ab, wie kalt es ist, wie lange du der Kälte ausgesetzt bist und wie warm du dich anziehst. Bei gewöhnlichen Herbsttemperaturen muss dein Körper nicht unbedingt wesentlich mehr Energie verbrauchen.
Eine Studie aus dem Jahr 2025 liefert dennoch einen interessanten Hinweis: Bei 47 Erwachsenen war die Energieaufnahme während eines 24-stündigen Aufenthalts bei 19 Grad Celsius im Durchschnitt um 13 Prozent höher als bei 23,5 Grad. Die Ergebnisse stammen allerdings aus kontrollierten Versuchsbedingungen und lassen sich nicht automatisch auf den Alltag übertragen.
2. Wenn es draußen dunkel wird, verändert sich dein Essverhalten
Nicht nur die Temperatur, auch die kürzeren Tage können eine Rolle spielen. Im Herbst und Winter verbringen wir häufig mehr Zeit zu Hause. Gemütliche Abende auf der Couch, Filmabende und Treffen mit Freunden gehören für viele zur kalten Jahreszeit und dabei wird oft nebenbei gegessen.
Das bedeutet: Wenn du im Herbst öfter zu Keksen, Chips oder Schokolade greifst, muss nicht unbedingt dein körperlicher Energiebedarf dahinterstecken. Vielleicht bist du einfach häufiger in Situationen, in denen Essen verfügbar ist und zum gemütlichen Abend dazugehört.
3. Warum wir plötzlich Lust auf deftiges Essen haben
Suppe, Auflauf, Braten, Pasta oder ein warmes Curry: Wenn es draußen kalt ist, wirken solche Gerichte besonders verlockend. Warme Speisen können das Kältegefühl angenehmer machen und vermitteln vielen Menschen ein Gefühl von Behaglichkeit.
Dazu kommt, dass Essen nicht nur der Energieversorgung dient, sondern auch mit Erinnerungen, Gewohnheiten und Emotionen verbunden ist. Wenn du bestimmte Gerichte mit gemütlichen Herbstabenden verbindest, kann allein der Gedanke daran Lust aufs Essen machen.
4. Mehr Hunger im Herbst ist nicht bei allen gleich
Während manche Menschen im Herbst deutlich mehr Appetit bemerken, verändert sich das Hungergefühl bei anderen kaum. Auch die Forschung kommt nicht zu dem Schluss, dass Kälte automatisch zu mehr Hunger führt. In einer kleineren Studie aus dem Jahr 2016 erhöhte eine kurze Phase bei 18 Grad Celsius zwar den Energieverbrauch, führte aber nicht zu einer messbar höheren Nahrungsaufnahme.
Die unterschiedlichen Ergebnisse zeigen, wie komplex das Zusammenspiel aus Temperatur, Energieverbrauch, Appetit und Essverhalten ist. Wenn es kälter wird, kann sich dein Hunger tatsächlich verändern. Dafür sind aber nicht nur die Temperaturen verantwortlich: Auch weniger Tageslicht, andere Alltagsgewohnheiten und die Lust auf gemütliches Essen spielen mit.
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