Gedächtnisverlust
Mysteriöser Fall: Unbekannter lebt seit Wochen am Flughafen
Der Mann besitzt weder einen Reisepass noch Geldmittel oder Gepäck. Tag und Nacht verbringt er auf den Wartebänken des Terminals in Süditalien, während Behörden und Diplomaten vor einem vollkommenen Rätsel stehen. Niemand weiß, wer der Mann tatsächlich ist, wie er nach Italien gelangte oder was ihm in den vergangenen Wochen widerfahren ist.
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Aufgrund seiner auffallenden Ähnlichkeit mit dem Frontmann der britischen Popband Coldplay hat die italienische Presse bereits eine Bezeichnung für ihn gefunden: Er wird als der "Chris Martin von Capodichino" betitelt. Doch während der Fall unweigerlich Erinnerungen an den bekannten Hollywood-Streifen "The Terminal" weckt, bedeutet die Situation für den Betroffenen ein ernstes menschliches Drama fernab jeder Fiktion.
Überfall in Rom als möglicher Auslöser der Amnesie
Ein Team des öffentlich-rechtlichen Senders Rai konnte mit dem Mann ein kurzes Gespräch auf Englisch führen. Dabei schilderte Daniel bruchstückhaft, was ihm angeblich widerfahren ist:
- Er wurde laut eigenen Aussagen von mehreren Personen brutal zusammengeschlagen und ausgeraubt.
- Bei der Attacke seien ihm alle Dokumente, sein Pass und seine gesamten Barmittel entwendet worden.
- Der mutmaßliche Überfall soll sich in der Hauptstadt Rom abgespielt haben.
- Wie er von Rom nach Neapel gelangte und warum er sich überhaupt in Italien aufhielt, liegt völlig im Dunkeln.
- Eine Bestätigung der Polizei für diesen gewaltsamen Vorfall liegt bisher noch nicht vor.
Auch gegenüber Pierluigi Petrone, dem schwedischen Honorarkonsul in Neapel, wiederholte der Mann diesen Satz: Er wisse, dass er Schwede sei, könne sich aber an sonst absolut nichts mehr erinnern.
Hilfsbereitschaft am Terminal: Mitarbeiter versorgen den Gestrandeten
Vor Ort im Terminal erfährt Daniel große Solidarität. Angestellte der Flughafengesellschaft, Bedienstete der Fluglinien und Reisende versorgen ihn regelmäßig mit warmen Mahlzeiten, Getränken sowie Artikeln für die tägliche Hygiene. Daniel gilt als äußerst höflich, ruhig und bescheiden: Er bettelt zu keinem Zeitpunkt um Unterstützung und bedankt sich stets leise für jede Zuwendung.
Als Honorarkonsul Petrone den Mann am Flughafen aufsuchte, trug dieser lediglich ein dünnes T-Shirt. Der Diplomat besorgte ihm daraufhin unverzüglich einen warmen Pullover. Besonders prekär bleibt jedoch die Situation beim Schuhwerk, da Daniel dringend feste Schuhe benötigt und auf einigen Bildern sogar barfuß durch das Gebäude lief.
Schließung der Startbahn spitzt die Notlage drastisch zu
Die schwedische Botschaft hat mittlerweile offizielle Nachforschungen aufgenommen und gleicht Datenbanken auf passende Vermisstenmeldungen ab. Eine in Stockholm arbeitende Neapolitanerin sprach ebenfalls mit ihm und hörte dieselben Angaben. Obwohl vermutet wird, dass zu Hause Angehörige verzweifelt auf ein Lebenszeichen warten, lehnte Daniel eine sofortige Rückreise nach Schweden bislang strikt ab.
Erschwerend kommt nun eine logistische Ausnahmesituation am Flughafen Capodichino hinzu:
- Seit dem 1. November ist der gesamte Flughafen für volle vier Wochen für den regulären Passagierverkehr gesperrt.
- Auf dem Areal laufen umfassende Sanierungsarbeiten an der Start- und Landebahn mit einem Budget von rund 30 Millionen Euro.
- Rund 500 Bauarbeiter sind auf einer Fläche von 250.000 Quadratmetern im Dauereinsatz.
- Flüge wurden großteils auf den Flughafen Salerno verlegt.
Ob Daniel während dieser massiven Bauarbeiten weiterhin im Terminal verbleiben kann oder eine behördliche Unterbringung organisiert werden muss, ist derzeit noch offen.
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