Star-Garantie

"Jedermann" – ÖFB-Teamchef Rangnick wird Theater-Boss

ÖFB-Teamchef Ralf Rangnick und Regisseur Michael Sturminger
© APA/GEORG HOCHMUTH
Der ÖFB-Teamchef hat mit seiner Stiftung ein Theaterprojekt inszeniert, das der Jugend den alten Hofmannsthal-Stoff nahebringen soll.
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Wien/Salzburg. Im kommenden Jahr wird es in Salzburg zwei "Jedermann"-Inszenierungen und dabei auch ein Comeback des von den Festspielen 2023 unter gehörigem Medienwirbel ausgebooteten "Jedermann"-Regisseurs Michael Sturminger geben. Am 16. September 2027 soll in einem Zirkuszelt im Volksgarten das Hofmannsthal-Stück unter dem Titel "Jedermensch" in einer speziellen Fassung für und mit Kindern und Jugendlichen Premiere haben. Möglich wird das ausgerechnet durch ÖFB-Teamchef Ralf Rangnick.

"Ich fühle mich ein wenig wie ein Sportdirektor - und Michael ist mein Trainer", schmunzelt Rangnick im ersten gemeinsamen Interview mit Sturminger, der mit Studierenden des Max Reinhardt-Seminars und Salzburger Schülerinnen und Schülern eine Vision in die Tat umsetzen wird, die dem sozial engagierten Fußballtrainer nach dem Besuch seiner "sicher achten 'Jedermann'-Aufführung" am Domplatz gekommen ist. "Ich habe mich gefragt: Wie kann das eigentlich sein, dass ich mit 67 noch zu den eher jüngeren Zuschauern gehöre? Das ist doch eigentlich schade bei so einem zeitlosen Stück! Zwei Tage später saß ich bei mir zu Hause im Wohnzimmer und hab' das meinem Assistenztrainer Stefan Oesen erzählt. Wir haben uns gefragt: Wie müsste der 'Jedermann' sein, dass man auch das jüngere Publikum anspricht? Dann sagte er: 'Komm, wir fragen mal ChatGPT.' Es war faszinierend, was da rauskam. Und so kam alles ins Rollen."

Die Vorgeschichte reicht etliche Jahre zurück. Mit seiner 2018 gegründeten Ralf Rangnick Stiftung setzt er Initiativen zur Förderung von Kreativität und Talenten von sozial benachteiligten Kindern. Fasziniert von den Aktivitäten der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, die ihre Probenarbeit bewusst an so genannten Brennpunktschulen ansiedelte und mit Stadtteilopern große Erfolge feierte, setzte er in seiner Zeit in Leipzig selbst eigene Aktivitäten in dieser Richtung. Die Oper "Ikarus und der Traum vom Fliehen" und später Hans Krásas Kinderoper "Brundibár" wurden volle Erfolge. Wenn Rangnick im APA-Interview von diesen Projekten erzählt, leuchten seine Augen und er gerät richtig ins Schwärmen. Diesen Elan will er nun in Salzburg, das "so ein bisschen meine zweite Heimat geworden" ist und wo er auch als "Botschafter" für die Salzburger Festspiele agiere, auch einbringen.

Gespräche mit den Salzburger Festspielen versandeten

Es habe einige Gespräche mit Lukas Crepaz, dem kaufmännischen Direktor der Salzburger Festspiele, und dann auch mit dem damaligen Intendanten Markus Hinterhäuser gegeben, ob man das "Jedermensch"-Projekt nicht im Rahmen der Festspiele ansiedeln könne, erzählt Rangnick. Der Domplatz wurde dafür seitens des Festivals ausgeschlossen, Schloss Leopoldskron als Spielort und der "Sommernachtstraum" als alternatives Stück ins Spiel gebracht. "Nach dem dritten oder vierten Treffen haben wir gemerkt, dass das Ganze ein bisschen an Dynamik verloren hat und das Interesse nicht mehr so groß war. Ein paar Wochen später, nach den ersten Berichten über die Spannungen im Hintergrund, haben wir das dann besser einordnen können."

Rangnick und seine Leute entschlossen sich, das Projekt ohne die Festspiele weiterzutreiben. "Dass keine Missverständnisse aufkommen: Ich bin weiterhin mit ganzem Herzen bei denen als Botschafter mit dabei und war auch bei der offiziellen Eröffnung. Wir sind mit den Festspielen weiterhin richtig gut, und die neue Intendantin Karin Bergmann hat uns zugesagt, dass wir mit Kostümen, Technik und so weiter unterstützt werden." Auch das Engagement von Sturminger sei keine bewusste Pointe, sondern seiner Erfahrung mit dem Stück, aber auch mit Studenten des Reinhardt-Seminars geschuldet. "Ich kann ja wirklich für mich in Anspruch nehmen, das Stück gut zu kennen", schmunzelt der Regisseur, der den neuen Anlauf als tolle Chance sieht, sich neuen Aspekten zu widmen.

"Es geht ums Leben und nicht ums Sterben."

Sturminger wird gemeinsam mit seinem jungen Co-Regisseur Jakob Wernisch, der auch textlich Anpassungen an heutige Jugendsprache vornehmen wird, den Stoff explizit für junge Leute von heute bearbeiten und hat dafür bereits einen Workshop mit Regie-Studierenden abgehalten. "Ausgehend von der Frage, was passiert, wenn der Tod in unser Leben tritt, fragen wir mit den jungen Menschen: Wie sollen wir leben?" Denn, argumentiert Rangnick mit Verve: "Eigentlich geht es ja für mich beim 'Jedermann' ums Leben und nicht ums Sterben. Es geht darum, frühzeitig zu erkennen, worum es im Leben eigentlich geht und worauf man achten sollte. Und dass man, selbst wenn man viel Geld hat, deswegen nicht egoistisch sein muss, sondern auch für andere da sein kann. Das ist die Botschaft, die im Moment sowohl in Österreich als auch in Deutschland etwas schwierig zu vermitteln ist. Aber nur so kann Demokratie funktionieren!"

Dass "Jedermensch" in einem rund 700 Plätze fassenden Zirkuszelt gezeigt werden soll, ist auch eine Hommage an die Uraufführung des Stückes, die 1911 im Berliner Zirkus Schumann stattfand; dass die derzeit geplanten vier Aufführungstage im September liegen, ist der Überlegung geschuldet, dass das Schuljahr bereits angelaufen sein soll, um das Zielpublikum auch wirklich zu erreichen. "Toll wäre es, wenn wir etwa die zwei letzten Ferienwochen für Camps mit Salzburger Schülerinnen und Schülern nützen könnten", überlegt Sturminger, der Kinder als Spielende und als Chor einbauen möchte, die wichtigsten Rollen mit Studierenden des Max Reinhardt-Seminars besetzen will und auch zwei prominente Profis gewonnen hat: "Verena Altenberger versucht alles, sich terminlich dafür freizumachen. Und Karl Markovics hat bereits fix zugesagt. Wir müssen nur noch entscheiden, ob er den Teufel spielt oder den Mammon. Ihm ist es egal. Er findet einfach das Projekt gut."

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