Vatikan. Es war nach dem vierten Wahlgang, als am 8. Mai 2025 über der Sixtinischen Kapelle weißer Rauch aufstieg: "Wir haben einen neuen Papst". Weltweit jubelten Katholiken, ich stand damals eingekeilt zwischen Zehntausenden auf dem Petersplatz in Rom. Es war ein gewaltiger, kraftvoller, geschichtsträchtiger Moment.
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Erst nach einigen Minuten sickerte der Name Robert Prevost durch. Prevost: "Wer?", fragten viele. Ein Amerikaner soll neuer Papst sein?
Etwa eine Stunde nach der Wahl war es dann amtlich, Prevost begrüßte als Leo XIV. die Gläubigen auf Italienisch mit den Worten: "La pace sia con tutti voi" („Der Friede sei mit euch allen“). Jubel brandete auf, der erste Amerikaner im höchsten Amt der katholischen Kirche, ein Gegenpol zu Donald Trump: "Endlich ein junger Papst", hieß es damals
Leo XIV war knapp 70, er wirkte gesund, superfit. Nie hat er geraucht, auch hat er immer Sport betrieben.
Minimalinvasiver Eingriff in 90 Minuten
Schock. Und jetzt beten Katholiken weltweit, dass der Pontifex nach seiner Lungenoperation wieder völlig fit wird.
Am Freitag das erste Zeichen der Hoffnung: Leo XIV feierte Messe im Spital. Vergangenen Dienstag ist Leo XIV. vom Vatikan per Auto ins Krankenhaus gebracht worden. Begleitet wurde er von seinem Sekretär Edgard Iván Rimaycuna Inga und seinem Leibarzt Luigi Carbone. Bei der Ankunft am Spital kurz nach 13 Uhr wirkte er ruhig. Während er raschen Schrittes in das Krankenhaus ging, lächelte er und winkte den hunderten wartenden Menschen und Medienvertretern zu.
In einem 90-minütigen Eingriff ist ihm der untere Lappen der rechten Lunge entfernt worden. In dem Teil war ein Adenokarzinom, die häufigste Form von Lungenkrebs, die oft auch Nichtraucher trifft. Ein Lungenlappen umfasst 25 Prozent der Lunge.
Der minimalinvasive Eingriff verlief komplikationslos. Zusätzlich wurden auch die Lymphknoten im Brustkorb entfernt. Die Mediziner unter Leitung des Thorax-Chirurgie-Spezialisten Professor Stefano Margaritora operierten mit videoassistierter Chirurgie (VATS/Video-Assisted Thoracic Surgery). Sie ermöglicht schnellere Erholung und verringert das Risiko von Komplikationen, im besten Fall kann der Pontifex schon kommende Woche entlassen werden.
Zweiwöchige Reise im November wackelt
Unklar ist, ob sich der 71-Jährige jetzt einer Chemotherapie oder Strahlenbehandlung unterziehen muss. Zunächst muss das vollständige Ergebnis der Gewebeuntersuchungen abgewartet werden. Sollte sich herausstellen, dass auch die Lymphknoten vom Tumor befallen sind, muss neu entschieden werden. Sind die Lymphknoten tumorfrei, reicht die am Dienstag durchgeführte Operation aus.
Trotzdem muss die weitere Reiseplanung des Papstes überdacht werden:
Bereits im November will der Pontifex eine fast zweiwöchige Reise nach Uruguay, Argentinien und Peru antreten. In Peru war Leo XIV viele Jahre als Missionar und Bischof tätig. Er hat auch die peruanische Staatsbürgerschaft. Zur Reise sollte auch ein Besuch der Stadt Cusco in 3.400 Meter Seehöhe gehören. Schon bei völlig fitten Menschen führt diese Höhe bereits zu Atemproblemen und zur Höhenkrankheit. Es scheint unmöglich, dass der Pontifex in diese Höhe reisen wird.
Der Pontifex hat keinen Stellvertreter, dieses Amt gibt es nicht. Die dringenden Amtsgeschäfte erledigt das Kardinalstaatssekretariat. Leo XIV hatte erst wenige Tage vor seiner Krebsoperation einen seiner engsten Vertrauten, den philippinischen Kardinal Luis Antonio Tagle, 69, zum Dekan des Kardinalskollegiums ernannt. Bisher hatte dieses Amt der 92-jährige Kardinal Giovanni Battista Re ausgeführt.
Die Ernennung war weit mehr als ein protokollarischer Wechsel. Tagle würde als primus inter pares die Kirche nach dem Tod oder Amtsverzicht des Papstes übergangsweise leiten.
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