Die europäische Sonde "ExoMars Trace Gas Orbiter" (TGO) überwacht die Marsatmosphäre bereits seit 2016. Über den Flanken des riesigen Vulkans Alba Mons registrierte das Gerät zu Beginn des Sommers messbare Mengen an Chlorwasserstoffgas (HCl). Auf der Erde tritt diese Verbindung typischerweise aus magmatischen Öffnungen und vulkanischen Fumarolen aus. Geologische Aufnahmen zeigten genau an diesen Stellen frische, teilweise mehrere hundert Meter lange Risse in der Kruste des Planeten.
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Risse im Eis geben Gase frei
Bislang brachten Wissenschaftler das sporadische Auftauchen von Chlorwasserstoff vorwiegend mit globalen Staub- und Wasserkreisläufen in Verbindung. Das wiederkehrende Signal an den Flanken von Alba Mons passte jedoch nicht in dieses Schema. Während des eisigen Marswinters mit Temperaturen von bis zu minus 120 Grad Celsius sind die feinen Bodenrisse fest mit Eis verschlossen. Erst wenn das Eis im frühen Sommer sublimiert, wird der Weg für aufsteigende magmatische Gase frei.
"Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Mars genügend innere Wärme gespeichert hat, um bis vor Kurzem vulkanische Aktivität zu ermöglichen, und dass er dies möglicherweise auch heute noch tut", erklärt Daniel Mège, Professor am Zentrum für Weltraumforschung der Polnischen Akademie der Wissenschaften und Ko-Hauptautor der im Fachjournal Science Advances veröffentlichten Studie.
Unterirdischer Schutzraum für mögliches Leben
Die Entdeckung wirft auch ein neues Licht auf die Suche nach potentiellem mikrobiellem Leben auf dem Roten Planeten. Wenn im Untergrund noch immer Restwärme oder schlummernde Magmakammern existieren und aufsteigende Lava mit unterirdischem Grundwasser zusammentrifft, könnten hydrothermale Systeme entstehen.
"Die Suche nach Leben auf dem Mars in den Rissen der Region Alba Mons, aus denen Gas austritt, wäre sinnvoll", betont Mège. "Wenn dort hydrothermale Systeme aktiv sind, könnten diese die für die Entwicklung von Mikroorganismen erforderlichen Bausteine und Energie enthalten und die Mikroorganismen vor der feindlichen und sich ständig verändernden Umgebung oberhalb der Oberfläche schützen."
Größter Erfolg für ExoMars-Mission
Schon frühere Analysen zeigten, dass der Mars einst von großen Gewässern geprägt war und geologische Prozesse die Landschaft formten. Dass nun konkrete Hinweise auf andauernde geologische Aktivität vorliegen, gilt in der Planetenforschung als Meilenstein.
Colin Wilson, Projektwissenschaftler der Mission bei der ESA, unterstreicht die Tragweite: "Diese Erkenntnisse könnten sich als der bislang größte Erfolg von TGO erweisen." Die Raumsonde kreist seit Oktober 2016 um den Mars und dient neben ihren atmosphärischen Messungen auch als wichtiges Datenrelais für Missionen auf der Oberfläche.
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