Sorge vor Russland

Europa-Krieg bis 2045? Tschechien rüstet für den Ernstfall

© Anadolu via Getty Images
Tschechien stellt sich auf eine deutlich unsicherere Sicherheitslage in Europa ein. Ein neues Verteidigungspapier warnt sogar vor möglichen Angriffen auf NATO- und EU-Staaten ohne Vorwarnung.
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Das tschechische Verteidigungsministerium hat einen langfristigen Plan für die kommenden Jahrzehnte vorgelegt. Im Mittelpunkt steht die Einschätzung, dass das Risiko schwerer Sicherheitskrisen zunimmt – und Russland dabei als größte Bedrohung für die Sicherheit des Landes gilt.

Das Papier trägt den Titel "Langfristiger Ausblick für die Verteidigung 2045". Die Jahreszahl ist dabei kein angekündigtes Kriegsdatum, sondern bezeichnet den Planungshorizont der tschechischen Verteidigung.

Der tschechische Staatssicherheitsrat hat das Dokument bereits gebilligt. Im Herbst soll sich die Regierung damit befassen.

Angriff ohne Vorwarnung möglich

Die Warnung fällt dennoch deutlich aus. In dem Papier heißt es, die Wahrscheinlichkeit komplexer Sicherheitskrisen steige – einschließlich eines möglichen Angriffs auf NATO- und EU-Staaten ohne Vorwarnzeit.

Gleichzeitig rechnen die tschechischen Strategen damit, dass Europa künftig stärker selbst für seine konventionelle Verteidigung verantwortlich sein wird. Die Unterstützung durch die USA könnte dabei eine geringere Rolle spielen.

Tschechien will seine Streitkräfte deshalb auf einen möglichen langfristigen Konflikt hoher Intensität mit einem technologisch fortgeschrittenen Gegner vorbereiten.

24 F-35 und neue Brigaden

Dafür soll das Militär in den kommenden Jahren deutlich ausgebaut werden.

Bis 2030 ist ein neues System zur Vorbereitung der Bevölkerung auf Sicherheitskrisen geplant. Bis 2032 soll die tschechische Weltraumaufklärung ausgebaut werden. Bis 2038 sollen zusätzliche Waffen, Technik und militärisches Material angeschafft werden.

Außerdem will Tschechien seine Luftwaffe mit 24 F-35-Kampfjets verstärken. Geplant ist zudem der Aufbau von zwei modernisierten Brigaden.

Im Ernstfall könnten auch Bürger gefragt sein

Nicht nur das Militär könnte stärker gefordert werden. Auch die Bevölkerung findet sich in den langfristigen Planungen wieder.

In Friedenszeiten soll der Wehrdienst zwar freiwillig bleiben. Gleichzeitig hält das Papier fest, dass die Regierung im Bedarfsfall eine geeignete Form der Beteiligung der Bürger an der Landesverteidigung und am Militärdienst prüfen könnte.

Laut dem tschechischen Nachrichtenportal iROZHLAS.cz wäre beispielsweise denkbar, Menschen mit technischen, medizinischen oder IT-Kenntnissen einzuberufen und verkürzt militärisch auszubilden.

Gefahr beginnt laut Experten früher

Für den früheren tschechischen Geheimdienstchef Petr Mlejnek beginnt eine mögliche Bedrohung zudem nicht erst mit einem offenen Krieg.

Entscheidend sei die Annahme, dass ein Gegner nicht strikt zwischen Krieg und Frieden unterscheide. Ein Konflikt könne demnach bereits lange vor einer offiziellen Kriegserklärung beginnen.

Tschechien will deshalb nicht auf einen Ernstfall warten – sondern seine Verteidigung bereits jetzt auf eine deutlich unsicherere Zukunft ausrichten.

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